Verloren? – Erlöst!

„Bis Aschermittwoch bin ich verloren…“, singt Margit Sponheimer, „…denn Rosenmontagskinder müssen närrisch sein.“ Tatsächlich kommt sich mancher am Aschermittwoch recht verloren vor, der über die Faschingstage ausgelassen gefeiert und die Welt närrisch auf’s Korn genommen hat. Plötzlich ist da so ein seltsamer Ernst und eine Stille, die herausfordert.

 

Die katholische Kirche mutet den Gläubigen am Aschermittwoch zu, sich ihrer Verlorenheit zu stellen, also anzuerkennen, dass sie erlösungsbedürftig sind: Die Welt ist tatsächlich nicht so lustig, wie wir das an Fasching lauthals gefeiert haben, und jede/r hat seinen/ihren Anteil daran. Als Zeichen dafür wird mit geweihter Asche ein Kreuz auf die Stirn gemacht. Im alten Testament war es ein übliches Zeichen für die Bereitschaft zur Umkehr und Buße, ein Bußgewand („Sack“) anzuziehen und sich in die Asche zu setzen (vgl. Jona 3,6).

 

Gleichzeitig beginnt die Kirche die Österliche Bußzeit, auch „Fastenzeit“ genannt. Beim Fasten steht allerdings weniger der Verzicht an sich im Mittelpunkt oder gar das körperliche Abnehmen, sondern das Freiwerden für das Gute und Schöne. Im Tagesgebet des Aschermittwochsgottesdienstes heißt es: „Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße. Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht, damit wir dem Bösen absagen und mit Entschiedenheit das Gute tun.“ Das Ganze hat einen Zweck: Ich stelle mich meiner Verlorenheit mutig, um an Ostern umso deutlicher die Erlösung durch Christus erleben zu können.

 

 

Ich wünsche uns eine gute und aufbauende Österliche Bußzeit!

 

Reinhart Fritz, Pfarrer