Ostern als Nagelprobe

Mehr noch als das Weihnachtsfest ist Ostern eine wahre Nagelprobe für uns Menschen, vor allem für unseren Glauben. Das höchste Fest der Christenheit zwingt uns nämlich zur Auseinandersetzung mit dem angespannten Verhältnis zwischen Leben und Tod, und zu einer Positionierung dazu. Bin ich der Überzeugung, dass mit dem Tod eben „alles aus“ ist, oder hege ich eine Hoffnung auf ein irgendwie geartetes „Danach“? Und: Braucht es wirklich das Kreuz für die Osterfreude?

Alle Christen, die ihren Glauben ernst nehmen, mogeln sich nicht am Kreuz vorbei  in die Osterfreude hinein; sie begehen  auch den Karfreitag und lassen sich daran erinnern, dass Jesus ans Kreuz genagelt wurde wie ein Verbrecher – zu unserer Rettung, wohlgemerkt! Dabei lassen sie sich aber zusagen, dass Gott auf diese Weise den Tod überwunden und – um auf das Foto Bezug zu nehmen – das Kreuz sozusagen „an den Nagel gehängt“ hat. In seinem Sohn Jesus hat er alles für die Welt und die Menschen gegeben, nicht einfach nur Peanuts, sondern sein Wertvollstes; und Jesus hat die vielen Kreuze unseres Lebens mit ans Kreuz genommen und dadurch „an den Nagel gehängt“: Das Kreuz unserer Gebrechlichkeiten und Krankheiten; das Kreuz unserer Schuld und unseres Versagens; das Kreuz der Gewalt, des Terrors und des Krieges; das Kreuz eigener Unzulänglichkeit und Ohnmacht; das Kreuz der Hoffnungslosigkeit und der Angst...

 

Einfach verschwinden werden all diese Kreuze nicht, das wissen wir nur zu gut. Aber sie verändern sich in ihrer Relevanz, wenn sie erst einmal – sozusagen wie Jesus selbst – von Gott „an den Nagel gehängt“ wurden: Weil für Jesus das Kreuz auf Golgatha nicht die Endstation war, da Gott ihn durch den Tod hindurch in ein neues Leben gerettet hat, dürfen auch wir die begründete Hoffnung haben, dass wir durch alle unsere Kreuze hindurch gerettet werden, dass letztendlich das Leben siegt!

 

Damit trifft Gott den Nagel auf den Kopf, was unsere tiefste Sehnsucht nach Heil und Leben angeht, weil tatsächlich gilt, was Lothar Zenetti in einem Osterlied-Text schreibt:

„Seht, das Grab ist nicht mehr Grab; /

tot ist nicht mehr tot; /

Ende ist nicht Ende mehr; /

nichts ist, wie es war. /

Halleluja!“ (Gotteslob Nr. 800)

 

Frohe und gesegnete Ostertage wünscht Ihnen, auch im Namen der evangelischen Kirchengemeinde,

 

Ihr
Reinhart Fritz, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Rheinstetten