Jesu Vater-Tag

Diesen Donnerstag steigen wieder jede Menge „Vatertagsfeste“ und viele Leute machen „Vatertagsausflüge“, manche leider auch Sauf- und Krakeel-Touren. Die wenigsten werden sich fragen, warum sie dafür mitten in der Woche arbeits- und schulfrei haben (beim Muttertag stellt sich diese Frage nicht, der ist ja immer sonntags). Viele wissen schon gar nicht mehr, dass dieser Tag – auch ganz offiziell laut Kalender – „Christi Himmelfahrt“ heißt und ein hoher christlicher Feiertag ist.

 

Bei genauem Hinsehen ist der Name „Vatertag“ für den vierzigsten Tag nach Ostern aber gar nicht so falsch, denn es ist eigentlich so etwas wie der Vater-Tag von Jesus: Nach seiner zeitweisen Rückkehr zu den Jüngern war der auferstandene Jesus diesen endgültig entzogen worden, war – im Bild gesprochen – in den Himmel aufgefahren. Ganz so, wie er es kurz nach seiner Auferstehung schon angekündigt hatte: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Johannesevangelium 20,17).

 

Damit schließt sich ein Kreis: Jesus, der von Gott auf die Erde geschickt worden war, um die Menschen zu retten, kehrt nach getaner Arbeit wieder zu seinem Auftraggeber zurück, und sitzt fortan – wie die Christen im apostolischen Glaubensbekenntnis beten – „zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“. Aus den Augen, aus dem Sinn? Nicht unbedingt, denn zum Weggehen Jesu, wie die Jünger es damals erlebt haben, gehört eine neue Art der Gegenwart Jesu, wie sie Christen seit ca. 2000 Jahren immer wieder erleben, weil Jesu Zusage stimmt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäusevangelium 28,20).

 

Reinhart Fritz, Pfarrer