Gott befreit - zum „Un-verschämt“ leben!

Im Sonntagsevangelium (Mk 2,23-28) führt Jesus ein Streitgespräch mit den Pharisäern, dessen Brisanz und Tragweite sich uns erst auf den zweiten Blick erschließt. Nicht der Mundraub, das eigentlich harmlose Abreißen der Ähren durch die hungrigen Jünger ist das Problem (das Armenrecht (Dtn 23,26) erlaubt dies sogar ausdrücklich), sondern der Zeitpunkt! Am Sabbat ist jegliche Erntearbeit verboten. Der Sabbat aber ist eines der wichtigsten Zeichen der Erwählung Israels zur Gemeinschaft mit Gott. Seine Entweihung ist deshalb ein Kapitalverbrechen - und darauf steht die Todesstrafe. Diese kann und darf allerdings nur nach erfolgter Verwarnung vor Zeugen vollstreckt werden. Genau das passiert nun: Jesus erhält eine Abmahnung „auf Leben und Tod“.

 

Jesus jedoch lässt sich nicht einschüchtern - er entschuldigt sich keineswegs, sondern verweist zu seiner Rechtfertigung ganz „un-verschämt“ auf David (1 Sam 21.2-10). Vor allem aber stellt er Sinn und Zweck aller Gesetzesregelungen heraus: „Der Sabbat ist (von Gott gemacht) worden wegen des Menschen, nicht der Mensch wegen des Sabbats. Also: Herr ist der Menschensohn auch über den Sabbat. „Welche Freiheit gegenüber dem Gesetz! Was für ein Mut, sich dem Mainstream gesetzlicher Regelungen entgegenzustellen! Gesetz und Regeln sind für Jesus kein endgültiger Zweck: sie sollen dienen! Ziel des Willens und der Verfügung Gottes bleibt allein das Heil des Menschen, das „Humanum“! Ein Korrektiv, ein bleibender Stachel im Fleisch aller von Menschen gemachten Gesetze in Welt und Kirche! Was dient denn - gerade angesichts der aktuellen innerkirchlichen Fragen - der größeren Menschlichkeit? Menschensohn und -tochter sind aufgefordert, Stellung zu beziehen.

 

Eine in diesem Sinne „un-verschämte“ gute Woche wünscht Ihnen,
Markus Müller, Pastoralreferent