Und führe uns nicht in Versuchung!?

Kann und will Gott uns in Versuchung führen? Papst Franziskus verneint dies und hat als Umformulierung „Lass uns nicht in Versuchung geraten“ vorgeschlagen. Zu Recht? Die Sachlage ist alles andere als eindeutig. Jesu Wort liegt uns naturgemäß nur in übersetzter Form vor und sowohl der griechische wie auch der aramäische Begriff haben sehr unterschiedliche Bedeutungen. „Versuchung“ umfasst da nur einen Aspekt eines schillernden Begriffs, der von „Erprobung“ und „positive Bewährung“, bis hin zur bösen Absicht „jemandem eine Falle zu stellen“ (vgl. Mk 12,13) reichen kann. Ein „Fallen stellender Gott“ widerspricht jedoch Jesu Gottesbild vom liebenden Vater und wohl auch unserem christlichen Verständnis. „Versuchungen“ dagegen gibt es zuhauf inner- und außerhalb von uns Menschen. Was aber ist ihr Ursprung? Wenn wir sie „dem Teufel“ anlasten (durchaus auch bequem und entlastend), dann haben wir eine zweigeteilte Welt: hier Gottes Liebe – dort die Macht des Bösen, die übermächtig erscheint. Wie sieht es dann jedoch mit Gottes Allmacht aus? Und weiter: Wozu dienen „Versuchungen“? Im positivsten Fall der Erprobung und Bewährung – der „Läuterung“! Kann, ja darf Gott mich fordern und prüfen? Die Vaterunser-Bitte könnte dann auch - als Ausdruck von Gottvertrauen - ein Hilferuf um Unterstützung sein, was dem Verständnis von Papst Franziskus sehr nahe käme. Was aber ist dann mit unserem Scheitern? Wenn Gott uns - entgegen unserer Bitte – doch in Versuchung geraten lässt und dadurch mein Scheitern nicht verhindert (oder es gar provoziert weil er „hineinführt“), wäre er dann nicht - zumindest indirekt - Initiator des Negativen? Bleibt noch die Version: „und führe uns IN DER Versuchung!“ Diese entlastet - lässt jedoch die bohrende Frage nach dem Ursprung des Bösen außen vor.

 

Herzliche Einladung zum Weiter-Denken und eine philosophische Woche wünscht Ihnen,

 

Markus Müller, Pastoralreferent