Wort für die Woche - Archiv

Hier finden Sie die Beiträge vergangener Wochen.

So

16

Sep

2018

Wenn ich stehe, dann stehe ich...

In dieser Woche hat für Viele der Alltag wieder angefangen: Für Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte das neue Schuljahr, für Erwachsene, die letzte Woche noch im Urlaub waren, die normalen Abläufe am Arbeitsplatz, in unseren Pfarrgemeinden das Engagement in Gruppen und Kreisen. Ich hoffe, dass alle sich gut erholen konnten und wünsche einen guten, gelingenden Wiedereinstieg!

 

Wie lässt sich verhindern, dass der „alte Trott“ uns bald wieder gefangen hält? Wie können wir möglichst viel von der erfahrenen Erholung in den Alltag hinüberretten? Eine Spur wäre, nicht mehr so oft in jene Falle zu tappen, die in unseren Tagen immer und überall lauert: Nämlich gar nicht wirklich da zu sein, wo man gerade ist, sondern eigentlich längst schon ganz woanders… Die jungen (und manchmal gar nicht mehr so jungen) Leute, die während fast jeder anderen Tätigkeit ihr Smartphone bedienen, sind nur ein Symptom dafür. Prüfen wir doch mal anhand folgender Geschichte unser eigenes Verhalten im Alltag, und „entschleunigen“ wir diesen durch wirkliches Da-Sein – ich wünsche viel Erfolg und Freude bei der Umsetzung:

 

Ein in Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könne. Er sagte: „Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich.“ Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten: „Das tun wir doch auch!“ Er aber sagte zu ihnen: „Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.“ (zitiert nach: Rucksackfibel, Stuttgart 4/1991)

 

Reinhart Fritz, Pfarrer

Do

19

Jul

2018

Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen

Letzte Woche vor den Sommerferien - nicht nur in den Lehrerzimmern, im Supermarkt und im Kindergarten wirken viele Menschen, auf die ich in diesen Tagen treffe, gestresst und urlaubsreif. Das Wetter, die vielen Termine - beruflich oder privat - zerren an den Nerven. Ich muss da immer wieder an meine Viertklässler und unser Theaterprojekt zum Buch Jona im Alten Testament denken.

 

Jona ist Prophet. Er bekommt einen Auftrag von Gott: „Geh nach Ninive und sag den Menschen dort, dass sie sich ändern sollen!“ Doch Jona will nicht. „Wieso ich?“ denkt Jona vielleicht und beschließt der Aufgabe aus dem Weg zu gehen und vor Gott wegzulaufen. Wer die Geschichte kennt, der weiß, dass Jonas Plan nicht aufgeht - Gott findet Jona und schließlich macht Jona doch, was Gott von ihm fordert. Nur dass Gott sich nicht so verhält, wie Jona es für richtig empfindet. Die Menschen in Ninive sind schlecht und Jona ist der Meinung, dass Ninive zerstört werden soll. Gott sieht das anders. Jona klagt Gott deswegen an und schimpft: „Ich hab‘s mir ja gleich gedacht. Du lässt dich immer wieder überreden: Statt die Stadt zu zerstören verschonst du die Menschen! Das ist so ungerecht!“

 

Ich überlege mit den Kindern, wie sie Gott in der Geschichte wahrnehmen? Ist Gott ungerecht? Für die Schüler ist klar: Die Schlussszene ist der Schlüssel. Gott lässt für Jona eine Pflanze wachsen und sie dann verdorren. Wieder ist Jona sauer und schimpft mit Gott: „Wieso schenkst du mir die Pflanze, wenn du sie doch wieder kaputt machst?“ Da sagt Gott zu Jona: „Wie, Jona? Dir tut die Pflanze leid, weil sie verdorrt ist? Aber mit den Menschen in Ninive hast du kein Mitleid? Kannst du zusehen, wie sie sterben? Ich kann das nicht!“ Da schweigt Jona und denkt: „Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen und sogar mit mir!“ Und so wünsche ich uns allen, dass wir nicht nur in diesen Wochen mit Geduld aufeinander schauen. Denn nicht nur Jona sondern auch wir sind gemeint: Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen! Da können wir doch auch ein bisschen geduldiger mit uns und unseren Mitmenschen sein!

 

Mit herzlichen Grüßen, Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Peters

So

15

Jul

2018

Und führe uns nicht in Versuchung!?

Kann und will Gott uns in Versuchung führen? Papst Franziskus verneint dies und hat als Umformulierung „Lass uns nicht in Versuchung geraten“ vorgeschlagen. Zu Recht? Die Sachlage ist alles andere als eindeutig. Jesu Wort liegt uns naturgemäß nur in übersetzter Form vor und sowohl der griechische wie auch der aramäische Begriff haben sehr unterschiedliche Bedeutungen. „Versuchung“ umfasst da nur einen Aspekt eines schillernden Begriffs, der von „Erprobung“ und „positive Bewährung“, bis hin zur bösen Absicht „jemandem eine Falle zu stellen“ (vgl. Mk 12,13) reichen kann. Ein „Fallen stellender Gott“ widerspricht jedoch Jesu Gottesbild vom liebenden Vater und wohl auch unserem christlichen Verständnis. „Versuchungen“ dagegen gibt es zuhauf inner- und außerhalb von uns Menschen. Was aber ist ihr Ursprung? Wenn wir sie „dem Teufel“ anlasten (durchaus auch bequem und entlastend), dann haben wir eine zweigeteilte Welt: hier Gottes Liebe – dort die Macht des Bösen, die übermächtig erscheint. Wie sieht es dann jedoch mit Gottes Allmacht aus? Und weiter: Wozu dienen „Versuchungen“? Im positivsten Fall der Erprobung und Bewährung – der „Läuterung“! Kann, ja darf Gott mich fordern und prüfen? Die Vaterunser-Bitte könnte dann auch - als Ausdruck von Gottvertrauen - ein Hilferuf um Unterstützung sein, was dem Verständnis von Papst Franziskus sehr nahe käme. Was aber ist dann mit unserem Scheitern? Wenn Gott uns - entgegen unserer Bitte – doch in Versuchung geraten lässt und dadurch mein Scheitern nicht verhindert (oder es gar provoziert weil er „hineinführt“), wäre er dann nicht - zumindest indirekt - Initiator des Negativen? Bleibt noch die Version: „und führe uns IN DER Versuchung!“ Diese entlastet - lässt jedoch die bohrende Frage nach dem Ursprung des Bösen außen vor.

 

Herzliche Einladung zum Weiter-Denken und eine philosophische Woche wünscht Ihnen,

 

Markus Müller, Pastoralreferent

So

15

Jul

2018

Gott kann alles?

Gottesgläubige Menschen sagen gerne, dass Gott alles kann, allmächtig ist. Auch ich bin überzeugt, dass er in der Liebe mächtig ist. Doch gerade deshalb geht es ihm, wie Jesus, der seine Liebe nur anbieten kann.

 

In seiner Heimatstadt Nazareth sind die Menschen gespannt, was es mit Jesus auf sich hat. Denn sie haben von ihm gehört, dass er umherzieht und von Gott erzählt. Noch unglaublicher für sie ist, dass er Menschen geheilt und Wundertaten vollbracht habe. Wir können uns vorstellen, dass alles, was laufen kann, in der Synagoge zusammenströmt, um diesen nun berühmten Sohn der Stadt zu sehen und zu hören. Und tatsächlich, sie gerieten außer sich vor Staunen und fragten sich, woher er diese Weisheit habe. Doch sie können ihn nur mit dem Schubladenkasten sehen, den sie von ihm aus der Zeit, in der er bei ihnen lebte, gewonnen haben. Sie nehmen Anstoß an ihm, sie lehnen ihn ab. Deshalb konnte Jesus dort keine Machttat tun, nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Nach Markus 6,1-6, das am kommenden Sonntag Thema in den katholischen Gottesdiensten ist.

 

Jesu – Gottes Macht endet an unserer Freiheit, denn seine Macht ist die Kraft der Liebe. Was die Menschen in Nazareth damals nicht geschafft haben, das wünsche ich Ihnen und mir für die kommende Woche: Ein waches Auge und ein offenes Herz, die über die vielen Schubladen unserer Erfahrungen hinweg wahrnehmen und so mit liebevollem Blick neu sehen und leben können. Wir werden staunen über das, was sich ereignen wird.

 

Shalom, Thomas Eckerle, Pastoralreferent

Do

21

Jun

2018

Halbzeit

Heute ist Sommersonnenwende, da ist der Tag am längsten und die Nacht am kürzesten. Mit dem meteorologischen Sommerbeginn, der schon am 1. Juni war, und der kalendarischen Jahresmitte am 1. Juli sind wir jetzt tatsächlich mittendrin im Jahr: Halbzeit, sozusagen!

 

Im Fußball ist die Halbzeit die Gelegenheit für eine Manöverkritik: Was hat gut geklappt in der ersten Spielhälfte, wo waren die Schwächen in der Mannschaft? Gleichzeitig sagt der Trainer die Strategie für die nächsten 45 Minuten an: So gehen wir den Gegner ab jetzt an, dies und jenes ändern wir an der Aufstellung und an der Taktik!

 

Der Sommerbeginn kann auch für uns eine Gelegenheit sein, auf die erste Jahreshälfte 2018 zurück zu schauen und ein Resümee zu ziehen: Was ist gelungen, sodass ich mich drüber freuen kann? Worüber bin ich traurig, was macht mir Sorgen? Und es wäre eine Möglichkeit, das eine oder andere nachzujustieren und für die zweite Jahreshälfte zu verändern, damit das Blatt sich vielleicht noch wendet. Schließlich wird auch im Fußball das Spiel erst in der zweiten Halbzeit entschieden.

 

In den Gottesdiensten singen die Katholiken in diesen Tagen wieder ein Lied (Gotteslob Nr. 465), das dabei helfen kann, denn es bittet den „Trainer“ Gott, zur Jahres-Halbzeit mit gutem Rat zur Stelle zu sein:

 

„Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. /

Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut, /

Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. /

Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.

 

Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. /

Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. /

Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein /

nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.“

 

Einen schönen Sommer und eine gelingende zweite Jahreshälfte wünscht Reinhart Fritz, Pfarrer

Fr

15

Jun

2018

Bitte warten! Nur noch einen Moment Geduld!

Wer kennt das nicht, das Internet funktioniert nicht oder eine Sendung wurde falsch geliefert. Man versucht dann etwas zu bewirken, ruft die Hotline an und bekommt als erstes zu hören: Bitte warten!

 

Das geht gar nicht. Warten! Wer hat heutzutage dafür schon Zeit?
Innerhalb von Minuten kann ich bequem und schnell einkaufen, Rechnungen zahlen, Musik hören und vieles mehr. Manches davon sogar zur selben Zeit!
Warten, muss sich heute lohnen! Ob das zurzeit Jesu wohl anders war?
Schauen sie doch mal in das kommende Sonntagsevangelium. Das stammt aus dem Evangelium nach Markus, wer es nachschlagen möchte: es ist das 4. Kapitel, Vers 26-34

 

Dort erzählt Jesus vom Reich Gottes. Er nutzt dazu das Bild des Sämanns. Dieser sät Korn und muss warten bis es reif ist. Jesus erklärt mit dem Bild, dass das Reich Gottes schon auf der Welt da ist. Und weiter erklärt er, dass es wachsen muss bis es „Erntereif“ bis es „Erfüllt“ ist. Der Sämann kann nichts für das Wachstum der Pflanzen tun, er kann die Umstände (Boden, Bewässerung, Licht) beeinflussen. Aber ob die Pflanze wächst oder nicht, liegt nicht in seiner Macht. So ist es auch mit dem Reich Gottes, mit dem was wir „glauben“ nennen.
In jedem von uns ist ein „Körnchen“ Glaube, ein „Seelenfünklein“ (wie der Mystiker Meister Eckehart es ausdrücken würde), ein Potential gelegt. Was daraus wohl wird?

 

Der „Sämann“ Gott, überlässt uns die Entscheidung ob wir das was in uns gelegt wurde, was uns geschenkt wurde, wachsen lassen wollen. Er wartet und erwartet unser Reifen, unser erfüllter Werden von dem was er an Glaube in uns gelegt hat. Gott benötigt vermutlich dafür viel Geduld mit uns. Denn oft haben wir nicht das Interesse unseren Glauben wachsen zu lassen, oft warten wir auf „günstigere“ Umstände, oder resignieren weil wir unser „Korn“, unser „Seelenfünklein“ unser Potential nicht erkennen. Doch Gott gibt sich unbeeindruckt. Er vertraut darauf, dass wir reifen, dass wir erfüllter werden.
Vielleicht können wir uns ja etwas von dieser Haltung Gottes, für unser Leben in die kommende Woche retten.

 

Vielleicht schaffen wir es zu warten, zu vertrauen, dass ein lieber Mensch, ein Bekannter oder gar ein fremder Mensch sein Potential, seine Möglichkeit zum Wachstum nutzt.

 

Sebastian Kraft, Gemeindereferent